Das knallbunte Leben
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  • Barbara Sher – Urania-Vortrag „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“

    Geschrieben am 6. März 2013 Heike Schulze 1 Kommentar

    Kürzlich war ich mal wieder unterwegs in Berlin. Barbara Sher hatte sich in der Urania angesagt und da dieser Blog auf ein Buch von ihr, das ich vor einigen Jahren gelesen habe, zurück geht und ich Barbara Sher noch nie live erlebt habe, hat mich ihr Vortrag natürlich sehr interessiert. Also habe ich mir eine Freundin geschnappt und wir sind mal wieder in die Urania gegangen.

    Herzlich begrüßt wurden wir von Frau Dr. Gudrun Schwarzer. Sie hat Barbara Sher im Jahre 2005 erstmals in Deutschland getroffen und war so begeistert, dass sie dafür gesorgt hat, die Bücher auch in deutscher Sprache verfügbar zu machen. Mittlerweile ist sie die autorisierte Trainerin von Barbara Sher in Deutschland.

    Barbara Sher, die mittlerweile 77 Jahre alt und seit mehr als 40 Jahren im Bereich Coaching und Beratung tätig ist, kam im Rollstuhl auf die Bühne. Sie meinte, sie war 1989 das letzte Mal in Berlin und habe sich jetzt so gefreut, dass sie gleich hingefallen ist. 😉  Das war schon mal der erste Lacher.

     

    Barbara Sher und ihre Art des Coachings

    Barbara Sher hat Anthropologie studiert und war alleinerziehende Mutter in New York. Dort arbeitete sie in der Drogenberatung und fing an,
    psychologisch zu arbeiten, auch mit Gruppen. Daraus entstanden zunächst das Buch „Wishcraft“  und 6 Jahre später „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“.

    Nachdem sie in der Fernsehsendung von Oprah Winfrey zu Gast war, kam ihr Erfolg: Ihre Bücher gelangten in die Bestsellerliste der „New York Times“. Barbara Sher hat sehr lange in New York gelebt und wohnt seit 2 Jahren in Toulouse.

    Sie sagte von sich, ihre Mission, von der sie angetrieben werde, sei es, so viele Genies wie möglich zu retten, ehe sie stirbt. Ein Genie ist in ihren Augen jeder Mensch. Ihre Definition von Genie ist: Jemand, der eine originäre Vision und das genetische Talent hat, Dinge anders zu sehen als andere. D. h. wenn ich etwas anschaue, sehe ich etwas, was andere nicht sehen. Na ja, so geht es uns doch allen, oder?

    Und so kann es halt passieren, dass z.B. ein Kind von seiner Art her die Dinge eher wie ein Rechtsanwalt sieht und in eine Familie von Künstlern geboren wird. Da kann es sein, dass die Künstler sich mächtig wundern, warum das Kind so viel herum streitet und redet.  Oder anders herum: Ein Kind, das von seiner Art her die Dinge eher wie ein Künstler sieht, wird in eine Familie von Anwälten geboren. Möglicherweise schicken sie das Kind zum Psychologen, weil es sich nicht so gern streitet wie sie und sie deshalb denken, etwas ist mit dem Kind nicht in Ordnung. 😀

    Uns allen wurde beigebracht, dass wir immer noch besser sein müssen, als wir schon sind. Daraus folgen ein endloser Leistungsdruck, den wir uns selbst machen und oft auch Gefühle von Schuld und Sünde, wenn wir Ziele, die wir uns gesetzt haben, nicht erreichen. Die Natur hat aber eine Art und Weise, mit der sie mit uns redet, sagt Barbara Sher. Wir sollen das tun, was uns Spaß macht. Das steht natürlich ziemlich im Gegensatz zu dem, was uns die Gesellschaft beibringt, denn die sagt ja, wir sollen Dinge tun, die schwer und wichtig sind.

    Barbara Sher dagegen ist der Meinung, wir sollen das tun, was unser Herz zum Singen bringt. Beim Essen weiß im Grunde jeder, was er gern essen mag. Bei dem, was der Einzelne im Leben will, ist es schwieriger. Wer nicht weiß, was er im Leben will, bringt zwei Gedanken durcheinander, nämlich den Wunsch und die praktische Anwendbarkeit, die Logistik. Die beiden sollten unbedingt auseinander gehalten werden.

    Das Motto von Barbara Sher ist: Es ist nicht so, dass deine Einstellung Träume tötet, sondern Isolation tötet Träume.

    Sie erzählte einige Beispiele aus ihren Coachings. Z.B. dieses hier von einer Frau. Barbara Sher fragte sie:

    1. Was ist dein Wunsch? Die Frau sagte, sie möchte gern Opernsängerin an der Metropolitan Opera sein.
    2. Was ist dein Hindernis? Die Frau sagte, sie habe eine Stimme wie ein Frosch.
    3. Was magst du an dem Gedanken, Opernsängerin zu sein, am Liebsten? Die Frau sagte, sie stamme aus einem armen Stadtteil von New York und alle um sie herum hassen die Oper. Sie dagegen liebt die Oper und möchte, dass ihre Freunde die Oper auch so mögen wie sie.

    Dann wurde die Gruppe, das sogenannte Erfolgsteam, gefragt, wer dazu eine Idee oder irgendwelche Verbindungen zur Oper hätte. Endergebnis war, dass die Frau mit ihren Freunden einen Opernabend besuchte, bei dem Placido Domingo sang. Nach der Vorstellung ging sie zu Domingo und sagte ihm auf sehr professionelle Art, an welchen Stellen er so wunderbar gesungen habe, dass es sie tief berührt hat.

    Der Manager, der mit dabei stand, wunderte sich sehr, woher die Frau diese Expertenkenntnisse über die einzelnen Opernstücke hatte und unterhielt sich mit ihr. Endergebnis war, dass die Frau eine Stelle bekam, bei der sie anderen Menschen ihre einzigartige Sichtweise auf die Oper nahe bringen konnte, so dass sie jetzt schon seit einigen Jahren an der Metropolitan Opera beschäftigt ist.

    Solche wunderbaren Dinge können durch Vernetzung geschehen, durch Erfolgsteams. Meist besteht ein Erfolgsteam aus 5 – 6 Personen. Ziel ist es, dass jeder Einzelne in der Gruppe das bekommt, was er will. Es werden dabei die drei o. g. Fragen gestellt und jeder in der Gruppe bringt sich ein, um die Wünsche der anderen zu erfüllen. Der Haken dabei ist: Je ernster es wird, je näher der Einzelne der Erfüllung des Wunsches kommt, desto eher kommt ein Widerstand, der bis zur Erstarrung führen kann.

    Das ist zu 100% natürlich und soll auch so passieren. Der Widerstand ist primitiv und mächtig und es fühlt sich dann so an, als wäre das menschliche Wesen nicht so mächtig. Aber: Wir können den Widerstand austricksen, indem wir nicht gegen ihn ankämpfen. Zu der Thematik hat Barbara Sher den Cartoon „How to get what you really want“ angefertigt.

     

    Der Zusammenhang zwischen Wünschen und Gefühlen

    Es gibt 4 Arten von Gefühlen: Schmerz, Angst, Wut und Freude. Eines davon bevorzugen wir. Angst ist dabei sehr speziell, denn Angst ist Angst vor einem der drei anderen Gefühle, so Barbara Sher. Widerstand ist die Angst vor Schmerz, Wut und Freude. Hatte ich z.B. eine Mutter, die Angst hatte, werde ich mir als Kind sagen: „Ich darf nicht so glücklich sein, das wäre selbstsüchtig.“ Dann kann es später sein, dass ich eine Idee, die ich habe, erst super finde und kurz danach ziemlich blöd. Deshalb ist es gut, eine Idee sofort detailliert aufschreiben, wenn sie da ist.

    Wenn wir aufgeregt sind, dann sind wir inspiriert. Dann sind wir dem Genie in uns sehr nahe. Wenn wir verliebt sind, sind wir alle in diesem Genie-Modus!

    Aufregung besteht zur Hälfte aus Freude und zur anderen Hälfte aus Angst.  Wer z.B. deprimiert ist und gerade etwas Weltschmerz hat, der ist seeeehr weise, sagt Barbara Sher. Derjenige weiß alles, beginnt oft Sätze mit „immer“ und „niemals“ und gibt z.B. so klassische Worte wie „Narren lachen, aber die Wahrheit wirft euch zu Boden“ von sich. Allein wie Barbara Sher das sagte, war schon ein Lacher für sich!

    Sind also sowohl die Verliebtheitsphase als auch die Weltschmerzphase vorbei und wir sind wieder normal, können wir uns unsere Idee aus einer nüchternen Sicht ansehen. Dann kann die Idee nämlich Realität werden. Wir  können nun weiter Ideen generieren und uns jede Menge Hilfe suchen.

    Barbara Sher sagt: „Du hast keine Angst vor etwas, was du nicht tun möchtest.“ Und sie meint, wer Angst vor etwas hat, der sollte einfach weinen, denn Tränen beenden immer die Angst.

     

    Fazit

    Es war ein interessanter, inspirierender und humorvoller Vortrag, der an keiner Stelle langweilig war, obwohl er über 2 h dauerte. Der Humboldt-Saal der Urania war fast voll und ich war ziemlich erstaunt darüber, wie viele Menschen aus Berlin und Umgebung an dieser Thematik interessiert sind. Meine Freundin z.B., die vorher nichts von Barbara Sher wusste, war am Ende extrem begeistert.

    Es war deutlich spürbar, wie sich die Energie im Saal im Laufe des Vortrags erhöhte, was auch logisch ist, denn: Träume und Wünsche haben wir alle. Das eint uns. Und bei einem Vortrag, bei dem es darum geht, wie diese Träume und Wünsche in die Realität umgesetzt werden können, ist es ähnlich wie bei einem Konzert in der Waldbühne: Alle sind inspiriert und ein wenig aufgeregt, denn alle haben das gleiche Ziel (oder für die Waldbühne trifft es das Wort „Idol“ besser). Das erzeugt dieses warme und leicht aufgeregte, schöne Gefühl im Herzen.

    Während der „Fragen und Antworten“ stand eine Frau auf und sagte, sie möchte gern, dass wir uns alle vernetzen, woraufhin am Ende des Vortrages Email-Adressen eingesammelt wurden. Ich bin sehr gespannt, was daraus wird…

    Obwohl ich festgestellt habe, dass ich mittlerweile in manchen Punkten nicht mehr so mit einigen Grundlagen der Herangehensweise von Barbara Sher übereinstimme (das hängt mit der Ausbildung zusammen, die ich gerade absolviere), finde ich doch diesen Ansatz der Erfolgsteams immer noch sehr spannend und vor allem sehr passend für die heutige Zeit.

    Hier noch ein Interview mit Barbara Sher und eins mit einigen Leitern von Erfolgsteams:

     

     

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